FAW/n beim International Vienna Energy and Climate Forum (IVECF) 2026 in der Wiener Hofburg

Das FAW/n war beim diesjährigen International Vienna Energy and Climate Forum (IVECF) in der Wiener Hofburg prominent vertreten. Die hochrangige Konferenz findet etwa alle zwei Jahre statt und wird unter anderem von der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO), dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, der Austrian Development Agency sowie weiteren internationalen Partnern organisiert. Dieses Jahr besuchten Vertreterinnen und Vertreter aus mehr als 145 Ländern das IVECF.

Für das FAW/n nahmen Prof. Dr. Estelle Herlyn, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher sowie Dr. Tobias Orthen teil. Ihre Präsenz unterstreicht die aktive Rolle des Instituts in zentralen internationalen Diskursen zur Energie- und Klimapolitik sowie seine enge Vernetzung mit führenden globalen Akteuren.

Strategischer Austausch auf höchster Ebene
Ein besonderer Schwerpunkt des Aufenthalts in Wien lag auf dem intensiven Austausch mit Dr. Gerd Müller, Generaldirektor von UNIDO und ehemaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das FAW/n berät Dr. Müller seit vielen Jahren. Zentrale Projekte mit Dr. Müller waren beispielsweise die Gründung der Allianz für Entwicklung und Klima und der Marshall Plan mit Afrika des BMZ. Im aktuellen Kontext globaler Turbulenzen ist es wichtig, dass Strategien abgestimmt und funktionierende Partnerschaften vertieft werden.
Über Prof. Franz Josef Radermacher und Dr. Tobias Orthen ist das FAW/n seit dessen Gründung in die Arbeit des UN Council of Engineers for the Energy Transition (CEET) eingebunden. Das hochrangige Netzwerk bringt technische Expertise gezielt in die Arbeit des UN-Systems ein und berät insbesondere den UN-Generalsekretär António Guterres in Fragen der globalen Energiewende. Veranstaltungen wie das IVECF bieten eine gute Möglichkeit für die rund 50 internationalen Expertinnen und Experten sich auszutauschen und sich, soweit wie möglich, auch in Person zu treffen. In Wien wurde die Ausrichtung der Arbeiten des CEET für die nächsten Monate besprochen.
Darüber hinaus fanden Gespräche mit zahlreichen internationalen Partnern aus Wissenschaft, Politik und internationalen Organisationen statt, darunter mit Prof. Jeffrey Sachs (Columbia University, Präsident des Sustainable Development Solutions Network) sowie Vertreter führender Institutionen im Bereich nachhaltige Entwicklung und Energietransformation.

Prof. Estelle Herlyn: Internationale Kohlenstoffmärkte im Fokus
Prof. Estelle Herlyn wurde eingeladen zu einem Panel zum Thema „From Integrity to Investment: Creating Trusted Carbon Markets that Mobilize Private Climate Finance“, das gemeinsam mit UNIDO und der Paris Agreement Article 6 Implementation Partnership (A6IP) organisiert wurde.

Die Diskussion mit internationalen Expertinnen und Experten thematisierte insbesondere die Rolle von Transparenz, Governance und lösungsorientierten Narrativen für die Skalierung funktionierender globaler Kohlenstoffmärkte. Zu den Teilnehmenden zählte auch Peter Renner, Vorstand der Allianz für Entwicklung und Klima sowie Jacob Bourgeois, Leiter von Carbon Strategies & Innovation bei Volkswagen ClimatePartner.
Dabei wurde deutlich, dass internationale Kooperation – auch im Kontext von Artikel 6 des Pariser Abkommens – eine zwingende Voraussetzung für effektiven Klimaschutz und die Erreichung von Netto-Null-Zielen ist. Es ist leider das Gegenteil dessen, was führende Industrienationen, inklusive Deutschland, aktuell tun. Viele wollen lieber „zu Hause“ das Klima retten, statt international Synergien zu schaffen und Kosten zu senken.

Prof. Franz Josef Radermacher: Globale Kapazitätsentwicklung und Systemlösungen

Prof. Franz Josef Radermacher nahm an einem hochrangigen Side Event teil, das sich mit der Bedeutung von Capacity Building und internationalen technischen Standards für die globale Energiewende befasste. Die Veranstaltung wurde von der Global Energy Interconnection Development and Cooperation Organization (GEIDCO) gemeinsam mit internationalen Partnern organisiert. GEIDCO ist eine der zentralen Organisationen, wenn es um erneuerbare Energien in China geht.
Im Zentrum standen Fragen, wie durch systematischen, skalierbaren Kapazitätsaufbau und internationale Kooperation die Transformation hin zu resilienten, intelligenten und inklusiven Energiesystemen beschleunigt werden kann. Diskutiert wurden unter anderem der Aufbau der Global Energy Interconnection Academy als Plattform für Wissenstransfer sowie erste Ergebnisse einer globalen Bedarfsanalyse zu Kapazitätslücken im Energiesektor.
Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Side Events zählten u. a. Prof. Xin Baoan, Chairman von GEIDCO und Präsident des China Electricity Council, Riad Meddeb, Leiter der Abteilung Decarbonization and Sustainable Energy, UNDP, sowie H. E. Rabab Fatima, Untergeneralsekretärin und Hohe Repräsentantin der am wenigsten entwickelten Staaten der Vereinten Nationen.

Die Diskussion verdeutlichte die zentrale Rolle wissenschaftlich fundierter Politikberatung und international abgestimmter Lösungsansätze – ein Feld, in dem das FAW/n seit Jahren aktiv ist.

Dr. Tobias Orthen und der Council of Engineers for the Energy Transition (CEET)
Dr. Tobias Orthen nutzte das Forum insbesondere für die Arbeit im Council of Engineers for the Energy Transition (CEET).

Im Fokus standen die Weiterentwicklung der Arbeitsagenda des Councils, die stärkere Unterstützung multilateraler Prozesse sowie die Übersetzung strategischer Empfehlungen in konkrete Umsetzungsmaßnahmen. Schon am Vortag fand das monatliche Meeting des Councils in der Hauptzentrale von UNIDO in Wien statt. Später im Laufe des IVECF kamen weitere zentrale Akteure für einen strategischen Dialog und die regelmäßige Weichenstellung der Arbeit des CEET für die nächsten Monate zusammen, darunter der Co-Chair des CEET Prof. Jeffrey Sachs (SDSN), der den Council zusammen mit Dr. Gerd Müller leitet, Ciyong Zou (Managing Director und Deputy to the Director General, UNIDO), Rana Ghoneim (Director, Energy and Climate Action Division, UNIDO), Georgia Iordanescu (Chief, Sustainable Energy and Just Transitions Unit, UNIDO) sowie Vertreter von UN DESA und Sustainable Energy for All (SEforALL)

Besonders betont wurde die Notwendigkeit regional differenzierter Ansätze und systemischer Lösungen für die Energietransformation. Dr. Tobias Orthen brachte die Idee ein, die Diskussionen um das Europäische Emissionshandelssystem EU ETS-II zu verknüpfen mit den Aktivitäten der Afrikanischen Union, die aktuell eine Energiestrategie sowie eine Industrialisierung- und Exportstrategie entwickelt. Die EU diskutiert, dass in Zukunft 5% der Emissionszertifikate des EU ETS über internationale Zertifikate erfüllt werden könnten. Das ist aus unserer Sicht natürlich viel zu wenig. Dennoch wäre es ein erster Schritt für afrikanische Staaten, beispielsweise klimafreundlichen Wasserstoff, Stahl oder andere Industrie- und Energiegüter in die EU zu liefern – Klimaschutz und industrielle Entwicklung zu optimierten Kosten könnten die Folge sein.


Bilder © UNIDO, CEET, FAWn

Reisebericht von Prof. Radermacher zur COP30 in Belém

Belém war als Austragungsort der COP30 historisch und geografisch passend. Dennoch war die Stimmung schlechter als bei früheren COPs: Wichtige Staatschefs fehlten, Pavillons und mediale Präsenz waren reduziert, und auch in Brasilien fand die Konferenz wenig Aufmerksamkeit. Die Ergebnisse gelten als enttäuschend. Positiv ist lediglich das Ziel, die Mittel für Klimaanpassung bis 2035 zu verdreifachen. Im Vergleich zur COP29 in Baku fehlten jedoch Fortschritte bei internationaler Klimafinanzierung. UNFCCC-Chef Simon Stiell betonte scharf die Notwendigkeit internationaler Kooperation. Nationale Alleingänge, insbesondere der EU, gelten als ineffizient. Die Abschlusserklärung blieb weitgehend inhaltsleer und ignorierte veränderte globale Rahmenbedingungen sowie zentrale politische Realitäten weitgehend konsequent.

Der Institutsleiter des FAW/n, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. F. J. Radermacher, nutzte die Teilnahme an der COP30 für einen ausführlichen Reisebericht mit vielen Hintergrund­informationen. Der Text wurde noch einmal vor Veröffentlichung an vielen Stellen ergänzt bzw. verbessert, z. B. über die Situation mit Kannibalismus in Brasilien (vgl. Fußnote 18) und der erweiterten, ausführlichen Darstellung der Welttour von Michael Evertz mit seinem Fahrrad als Botschafter für weltweite Kooperation im Abschlusskapitel des Textes.

Der Bericht kann über den hinterlegten Link im vorhergehenden Absatz als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Bild von Raimundo Pacco/COP30. Bestimmte Rechte vorbehalten.

Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h. c. HERIBERT OFFERMANNS

Heribert Offermanns war ein großartiger Forscher wie auch Umsetzer und im Rahmen seiner langjährigen Vorstandstätigkeit für die Degussa AG auch ein respektierter Unternehmer. Seine Interessensgebiete waren sehr weit gespannt. Er dachte „groß“, verlor sich nicht im Detail. Ohne ihn hätte es die Gründung von Global Energy Solutions e.V. wahrscheinlich nicht gegeben. Er hat in Ulm eine ganze Denktradition mit initiiert.

Wir sind Heribert Offermanns zu tiefstem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Nachträgliche Gedanken des Institutsleiters Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher zum Tod von Prof. Dr. Dr. h. c. Heribert Offermanns.

Allgemeine Informationen zu Prof. Dr. Dr. h. c. Heribert Offermanns.

Bild von congerdesign auf Pixabay

Schimpansenforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall im Alter von 91 Jahren gestorben

Vor wenigen Tagen verstarb Dr. Jane Goodall im Alter von 91 Jahren. Es ist ein großer Verlust für die ganze Welt. Schon als ganz junge Frau hat sie mit Feldforschung im Regenwald unsere „überhebliche“ menschliche Sicht auf die Primaten, insbesondere die Schimpansen, und damit auch auf uns selber, fundamental verändert. Unermüdlich hat sie sich für die Natur und für alle Lebewesen eingesetzt. Sie war eine große Menschenfreundin, deren Tod Millionen Menschen schmerzt. Das gilt insbesondere auch für uns.

Wir hatten als FAW/n und GES das Glück, dass Jane Goodall unser Buch „All In!“ mit einem Testimonial bereichert hat – und dass ihre Botschaft sich nun auf der Rückseite unseres Buches findet.

Jane Goodall wusste, dass man die Natur nur schützen kann, wenn man zugleich das Wohl der Menschen in den Blick nimmt. Sie wusste genau, was nachhaltige Entwicklung im Kern bedeutet.

Der Verlust von Jane Goodall schmerzt. Zugleich sind wir sehr dankbar, dass wir ihr begegnen durften. Wir werden sie nicht vergessen und uns bemühen, in ihrem Sinne weiterzuwirken.

In tiefer Dankbarkeit


(Titel-)Bild von keesluising auf Pixabay

Promotionsjubiläum 2025: Ein Rückblick auf eine Feier an der RWTH Aachen

Am 5. September 2025 wurde an der RWTH Aachen ein besonderes Highlight veranstaltet: Ein festliches, auch nostalgisches Event, in das unser Institutsleiter, Prof. Dr. Radermacher, eingebunden war. Mit etwa 30 goldenen und etwa 140 silbernen Promotionsjubilarinnen und -jubilaren waren noch nie so viele ehemalige Doktorandinnen und Doktoranden der Einladung des Rektors der RWTH Aachen gefolgt – sogar von den Philippinen, aus Brasilien, Thailand und den USA waren Jubilarinnen und Jubilare angereist. Seit 2004 werden jährlich die Promovierten, die vor 25 und 50 Jahren ihre Promotionsurkunde erhalten haben, an die RWTH eingeladen und zu ihrem Jubiläum erneut geehrt. Wir freuen uns, Ihnen Einblicke zu diesem besonderen Event geben zu können, die Sie sich in der Beschreibung in Bild- und Textform ansehen können.

Weitere Informationen können Sie auch direkt auf der Webseite zum Promotionsjubiläum der RWTH Aachen nachlesen

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Wissenschaft für den UN-Generalsekretär: Das FAW/n zeigt Wege zu klimafreundlichem Stahl

New York/Ulm. Die Stahlindustrie erzeugt rund 10% der globalen Treibhausgas-Emissionen. Prof. F. J. Radermacher und Dr. T. Orthen vom FAW/n in Ulm beschreiben in einem neuen Papier für den UN-Generalsekretär António Guterres welche Ansätze es gibt, um die Stahlindustrie klimafreundlich zu machen. Großes Potenzial existiert in China und Indien, weil Zweidrittel der Anlagen weltweit ohnehin bis 2030 mit neuen Investitionen saniert werden müssen. Das Papier ist mit Kollegen des „Council of Engineers for the Energy Transition“ (CEET) erschienen. Radermacher und Orthen sind seit Beginn als einzige deutsche Vertreter in die Arbeit des Councils eingebunden. CEET ist ein unabhängiges globales Beratungsgremium für das Büro des UN-Generalsekretärs in Sachen weltweite Energiewende.

Kurz vor der Sommerpause hat der „Council of Engineers for the Energy Transition“ (CEET) ein Policy-Brief zur klimafreundlichen Umgestaltung der Stahlbranche veröffentlicht. Unter dem Titel “Global Strategies for Low-Carbon Iron and Steel Production“ geben Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher (FAW/n Ulm), Dr. Tobias Orthen (FAW/n Ulm) und Naveen Ahlawat (Jindal Steel) einen Überblick über die technologischen Ansätze, die am meisten Erfolg versprechen, die Treibhausgas-Emissionen zu senken, aber auch, wo strategisch angesetzt werden sollten, um möglichst effizient vorzugehen. Vorab sei gesagt, dass der Ansatz, die Stahlindustrie allein mithilfe von grünem Wasserstoff umzubauen, nicht realistisch ist. Dieser ist nicht ökonomisch sinnvoll und nicht praktikabel unter den aktuellen globalen Bedingungen – auch weil etwa die Hälfte aller Stahlwerke in China betrieben werden. 

Das komplette Papier (auf Englisch) kann auf dem Netzwerk „Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen, kurz SDSN oder UNSDSN heruntergeladen werden.

Die wichtigsten Kernbotschaften sind:

  • Stahl und CO₂-Emissionen
    Die Stahlproduktion ist stark von fossilen Brennstoffen abhängig, weshalb eine Dekarbonisierung mehr erfordert als den Einsatz erneuerbarer Energien. Niedrig-CO₂-Technologien (Low-Carbon Technologies) sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig, da Stahl derzeit rund 8 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht. Dies ist insbesondere eine Herausforderung für die Gestaltung der Energiewende und das Wirtschaftswachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern.
  • Bestehende Technologien und Strategien
    Wichtige Hebel sind der Ersatz von Kohle durch Erdgas mit CCUS, Biomasse mit CCUS sowie der Einsatz von Wasserstoff zur Direktreduktion von Stahl. Effizienzsteigerungen, höhere Recyclingquoten, der Einsatz moderner Steuerungssysteme und die Nutzung von Abwärme können große Fortschritte bringen. Zudem ist eine effizientere Rohstoffnutzung durch bessere Aufbereitung und Transportmethoden entscheidend.
  • Modernisierungspotenzial und Investitionszyklen
    Bis 2030 müssen die meisten Stahlwerke im Rahmen ihrer üblichen Investitionszyklen modernisiert werden – eine entscheidende Chance für den Einsatz CO₂-armer Technologien. Koordinierte internationale Maßnahmen könnten so bis 2060 etwa 30 Milliarden Tonnen CO₂-Emissionen aus der Stahlproduktion vermeiden. Internationale Kooperation ist ein Schlüssel für Erfolg.
  • Fokus auf China und Indien
    China und Indien sind entscheidend für die Dekarbonisierung, da China der größte Stahlproduzent ist und Indien seine Kapazitäten bis 2050 verdreifachen dürfte. China könnte durch den Einsatz von Hochöfen mit Elektrolichtbogenöfen (EAF) eine Vorreiterrolle übernehmen. Viele kleinere Betriebe in beiden Ländern dürften aber Investitionshürden für neue Technologien haben. Unterschiedliche Ausgangspunkte, z. B. zwischen Industrie- und Schwellenländern, erfordern maßgeschneiderte Ansätze; etwa den Umstieg älterer japanischer Anlagen auf Schrott-basierte EAFs.
  • Gibt es eine Allzwecklösung?
    Weder Wasserstoff noch CO₂-Abscheidung allein können die Stahlindustrie vollständig dekarbonisieren. Wasserstoff könnte Emissionen pro Tonne um bis zu 90 % senken, doch beide Technologien erfordern hohe Investitionen in eine entsprechende Infrastruktur. Entscheidend ist daher, was genau unter „Niedrig-CO₂-Stahl“ verstanden und gehandelt wird, damit alle kosteneffizienten Emissionsminderungen zum Zuge kommen, statt auf eine einzige Technologie zu setzen.

Nominierung von „ALL IN! Energie und Wohlstand für eine wachsende Welt“ für den getAbstract International Book Award 2025

Wir freuen uns besonders über die Nominierung der Publikation „ALL IN! Energie und Wohlstand für eine wachsende Welt“ für den getAbstract International Book Award 2025 in der Kategorie Business Impact. Der Wissensanbieter getAbstract, spezialisiert auf verifiziertes Expertenwissen und Microlearning-Tools, wurde „ALL IN!“ auf die Shortlist der zehn nominierten Publikationen gesetzt.

Seit 2001 zeichnet getAbstract jährlich Werke aus, die aktuelle wirtschaftliche und unternehmerische Themen auf besondere Weise beleuchten. Die Gewinnerinnen und Gewinner der Kategorie Business Impact werden am 15. Oktober 2025 in Frankfurt am Main im Rahmen der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.

Auf getAbstract erhalten Sie eine kostenfreie Zusammenfassung des Buches.

Interview Klimanationalismus in Welt am Sonntag vom 6. Juli 2025

Es muss Schluss sein mit dem Klimanationalismus

Energieexperte und Regierungsberater Franz Josef Radermacher rechnet mit der deutschen Energiepolitik ab. Deutschland sei ein „Klimagefängnis“, das riesige Summen verschwende und effektive Lösungen außer Acht lasse – weil Einzelne profitierten

Franz Josef Radermacher kritisiert in dem Interview die deutsche Klimapolitik als ineffizient, überreguliert und teuer. Er bezeichnet Deutschland als „Klimagefängnis“, in dem Milliarden für nationale Maßnahmen ausgegeben werden, die kaum globalen Nutzen bringen. Stattdessen plädiert er für eine internationale Klimapolitik: In Entwicklungs- und Schwellenländern könnten CO₂-Emissionen viel günstiger reduziert werden – durch Aufforstung, CCS (CO₂-Abscheidung und -Speicherung) und CCU (CO₂-Nutzung). Diese globalen Lösungen seien effektiver und würden zugleich den Wohlstand in ärmeren Regionen fördern. Radermacher sieht die deutsche „All-Electric“-Strategie mit Fokus auf Wind und Sonne kritisch, da sie teuer und unvollständig sei. Er warnt vor Degrowth und fordert die Rücknahme des Energieeffizienzgesetzes. Das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2021 nennt er eine Fehlentscheidung, da es Deutschland überfordere und global ineffektiv sei. Sein Appell: Kooperation statt Klimanationalismus – für realistischen und wirksamen Klimaschutz.

Aufgrund vieler Rückfragen hat Prof. Radermacher zusätzlich Fragen beantwortet, die im Zusammenhang mit dem Interview gestellt wurden.

Das ursprüngliche Interview in der Welt am Sonntag vom 06. Juli 2025 und die zusätzlich beantworteten Fragen finden Sie nachfolgend unter den angegebenen Verlinkungen:

DAS „KLIMAGEFÄNGNIS“

(FAW/n Report)

Wie aktuelle Narrative und Regulierungen den Weg zu
wirkungsvollem und ökonomisch sinnvollem Klimaschutz verbauen

Die Situation Deutschlands ist in Bezug auf den Klimaschutz in zweifacher Hinsicht tragisch: Zum einen wird mit dem bisherigen Vorgehen für den Schutz des Klimas als weltweite Herausforderung im Wesentlichen nichts erreicht. Die weltweiten Emissionen steigen weiter an. Zum anderen erzeugt dieser Weg extrem hohe vermeidbare Kosten, unter denen unser Land und vor allem auch große Teile der Wirtschaft leiden. Die ökonomischen und sozialen Kollateralschäden des eingeschlagenen Weges sind deutlich sichtbar. Dabei gibt es neben vielen Verlierern dieses Weges auch Profiteure, die dazu beigetragen haben, dass die Dinge aktuell so geregelt sind wie sie sind, und versuchen, Veränderungen des Status Quo weitestgehend zu verhindern. Weil eine gesamtwirtschaftliche Bewertung des Bisherigen so klar negativ ausfällt, versucht die neue Regierung neue Wege einzuschlagen, muss sich aber im engen Rahmen der Freiräume erfolgter Vorabsprachen bewegen. Man kann ihr nur Erfolg auf diesem Weg wünschen, denn wir brauchen ihn dringend. Allerdings ist dies leichter gesagt als getan, denn Deutschland ist in einem regulatorischen „Klimagefängnis“ gefangen. Ein technologieoffeneres und internationales Vorgehen, das die Kosten der Transformation massiv absenken und dem Klimaschutz sehr viel mehr dienen würde, wird durch die aktuelle, in den letzten Jahren entstandene Regulierung, die tief gestaffelt auf verschiedenen Ebenen wirkt, extrem erschwert. Den Menschen, der Wirtschaft und dem Klima ist zu wünschen, dass mit der neuen Regierung eine Befreiung aus diesem „Gefängnis“ gegen alle bestehenden Widerstände gelingt.

8-Punkte-Plan für eine bezahlbare Energiewende

Gemeinsam mit Partnerorganisationen hat das FAW/n einen 8-Punkte-Plan für eine wirkungsvolle und bezahlbare Energiewende entwickelt. Das inzwischen schon öffentlich breit gestreute Papier fordert eine grundlegende Kurskorrektur in der deutschen Energiepolitik, um Wirtschaftskraft, Klimaschutz und Versorgungssicherheit wieder in Einklang zu bringen. An der Zusammenarbeit waren Global Energy Solutions, der Senat der Wirtschaft, 4Pi-Solutions sowie denk-fabrik R21 beteiligt.

Trotz hoher Ausgaben gehört Deutschland weder bei Strompreisen noch beim CO₂-Ausstoß zur Spitze: Stromkosten drohen um bis zu 100 % zu steigen, während der CO₂-Ausstoß mit 380 g/kWh weit über dem von Ländern wie Frankreich liegt. Der Bundesrechnungshof kritisiert die steigenden Systemkosten und zweifelt an der Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen.

Unser Plan präsentiert acht konkrete Maßnahmen für eine bezahlbare und wirkungsvolle Energiewende: in Deutschland wettbewerbsfähige Strompreise, marktwirtschaftliche Anreize statt Bürokratie, CO₂-Abscheidung bei fossilen Kraftwerken, sinnvolle Nutzung von Wasserstoff und CO₂-neutralen Kraftstoffen sowie eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie. Neue Wind- und Solaranlagen sollen sich ohne Subventionen am Markt behaupten. Auch die Nutzung deutschen Erdgases wird als Übergangslösung vorgeschlagen.

Die Umsetzung dieser Punkte könnte nicht nur die Industrie in Deutschland entlasten und Deindustrialisierung verhindern, sondern würde auch sehr viel Geld freisetzen, Jahr für Jahr. Dies könnte teilweise international in Klimaschutz investiert werden und würde dann zu einer wirksamen internationalen Lösung für Wohlstandsaufbau und Klimaschutzbeiträgen führen, auch international zur Lösung der Klimakrise beitragen – etwa durch Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern.