FAW/n beim International Vienna Energy and Climate Forum (IVECF) 2026 in der Wiener Hofburg

Das FAW/n war beim diesjährigen International Vienna Energy and Climate Forum (IVECF) in der Wiener Hofburg prominent vertreten. Die hochrangige Konferenz findet etwa alle zwei Jahre statt und wird unter anderem von der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO), dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, der Austrian Development Agency sowie weiteren internationalen Partnern organisiert. Dieses Jahr besuchten Vertreterinnen und Vertreter aus mehr als 145 Ländern das IVECF.

Für das FAW/n nahmen Prof. Dr. Estelle Herlyn, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher sowie Dr. Tobias Orthen teil. Ihre Präsenz unterstreicht die aktive Rolle des Instituts in zentralen internationalen Diskursen zur Energie- und Klimapolitik sowie seine enge Vernetzung mit führenden globalen Akteuren.

Strategischer Austausch auf höchster Ebene
Ein besonderer Schwerpunkt des Aufenthalts in Wien lag auf dem intensiven Austausch mit Dr. Gerd Müller, Generaldirektor von UNIDO und ehemaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das FAW/n berät Dr. Müller seit vielen Jahren. Zentrale Projekte mit Dr. Müller waren beispielsweise die Gründung der Allianz für Entwicklung und Klima und der Marshall Plan mit Afrika des BMZ. Im aktuellen Kontext globaler Turbulenzen ist es wichtig, dass Strategien abgestimmt und funktionierende Partnerschaften vertieft werden.
Über Prof. Franz Josef Radermacher und Dr. Tobias Orthen ist das FAW/n seit dessen Gründung in die Arbeit des UN Council of Engineers for the Energy Transition (CEET) eingebunden. Das hochrangige Netzwerk bringt technische Expertise gezielt in die Arbeit des UN-Systems ein und berät insbesondere den UN-Generalsekretär António Guterres in Fragen der globalen Energiewende. Veranstaltungen wie das IVECF bieten eine gute Möglichkeit für die rund 50 internationalen Expertinnen und Experten sich auszutauschen und sich, soweit wie möglich, auch in Person zu treffen. In Wien wurde die Ausrichtung der Arbeiten des CEET für die nächsten Monate besprochen.
Darüber hinaus fanden Gespräche mit zahlreichen internationalen Partnern aus Wissenschaft, Politik und internationalen Organisationen statt, darunter mit Prof. Jeffrey Sachs (Columbia University, Präsident des Sustainable Development Solutions Network) sowie Vertreter führender Institutionen im Bereich nachhaltige Entwicklung und Energietransformation.

Prof. Estelle Herlyn: Internationale Kohlenstoffmärkte im Fokus
Prof. Estelle Herlyn wurde eingeladen zu einem Panel zum Thema „From Integrity to Investment: Creating Trusted Carbon Markets that Mobilize Private Climate Finance“, das gemeinsam mit UNIDO und der Paris Agreement Article 6 Implementation Partnership (A6IP) organisiert wurde.

Die Diskussion mit internationalen Expertinnen und Experten thematisierte insbesondere die Rolle von Transparenz, Governance und lösungsorientierten Narrativen für die Skalierung funktionierender globaler Kohlenstoffmärkte. Zu den Teilnehmenden zählte auch Peter Renner, Vorstand der Allianz für Entwicklung und Klima sowie Jacob Bourgeois, Leiter von Carbon Strategies & Innovation bei Volkswagen ClimatePartner.
Dabei wurde deutlich, dass internationale Kooperation – auch im Kontext von Artikel 6 des Pariser Abkommens – eine zwingende Voraussetzung für effektiven Klimaschutz und die Erreichung von Netto-Null-Zielen ist. Es ist leider das Gegenteil dessen, was führende Industrienationen, inklusive Deutschland, aktuell tun. Viele wollen lieber „zu Hause“ das Klima retten, statt international Synergien zu schaffen und Kosten zu senken.

Prof. Franz Josef Radermacher: Globale Kapazitätsentwicklung und Systemlösungen

Prof. Franz Josef Radermacher nahm an einem hochrangigen Side Event teil, das sich mit der Bedeutung von Capacity Building und internationalen technischen Standards für die globale Energiewende befasste. Die Veranstaltung wurde von der Global Energy Interconnection Development and Cooperation Organization (GEIDCO) gemeinsam mit internationalen Partnern organisiert. GEIDCO ist eine der zentralen Organisationen, wenn es um erneuerbare Energien in China geht.
Im Zentrum standen Fragen, wie durch systematischen, skalierbaren Kapazitätsaufbau und internationale Kooperation die Transformation hin zu resilienten, intelligenten und inklusiven Energiesystemen beschleunigt werden kann. Diskutiert wurden unter anderem der Aufbau der Global Energy Interconnection Academy als Plattform für Wissenstransfer sowie erste Ergebnisse einer globalen Bedarfsanalyse zu Kapazitätslücken im Energiesektor.
Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Side Events zählten u. a. Prof. Xin Baoan, Chairman von GEIDCO und Präsident des China Electricity Council, Riad Meddeb, Leiter der Abteilung Decarbonization and Sustainable Energy, UNDP, sowie H. E. Rabab Fatima, Untergeneralsekretärin und Hohe Repräsentantin der am wenigsten entwickelten Staaten der Vereinten Nationen.

Die Diskussion verdeutlichte die zentrale Rolle wissenschaftlich fundierter Politikberatung und international abgestimmter Lösungsansätze – ein Feld, in dem das FAW/n seit Jahren aktiv ist.

Dr. Tobias Orthen und der Council of Engineers for the Energy Transition (CEET)
Dr. Tobias Orthen nutzte das Forum insbesondere für die Arbeit im Council of Engineers for the Energy Transition (CEET).

Im Fokus standen die Weiterentwicklung der Arbeitsagenda des Councils, die stärkere Unterstützung multilateraler Prozesse sowie die Übersetzung strategischer Empfehlungen in konkrete Umsetzungsmaßnahmen. Schon am Vortag fand das monatliche Meeting des Councils in der Hauptzentrale von UNIDO in Wien statt. Später im Laufe des IVECF kamen weitere zentrale Akteure für einen strategischen Dialog und die regelmäßige Weichenstellung der Arbeit des CEET für die nächsten Monate zusammen, darunter der Co-Chair des CEET Prof. Jeffrey Sachs (SDSN), der den Council zusammen mit Dr. Gerd Müller leitet, Ciyong Zou (Managing Director und Deputy to the Director General, UNIDO), Rana Ghoneim (Director, Energy and Climate Action Division, UNIDO), Georgia Iordanescu (Chief, Sustainable Energy and Just Transitions Unit, UNIDO) sowie Vertreter von UN DESA und Sustainable Energy for All (SEforALL)

Besonders betont wurde die Notwendigkeit regional differenzierter Ansätze und systemischer Lösungen für die Energietransformation. Dr. Tobias Orthen brachte die Idee ein, die Diskussionen um das Europäische Emissionshandelssystem EU ETS-II zu verknüpfen mit den Aktivitäten der Afrikanischen Union, die aktuell eine Energiestrategie sowie eine Industrialisierung- und Exportstrategie entwickelt. Die EU diskutiert, dass in Zukunft 5% der Emissionszertifikate des EU ETS über internationale Zertifikate erfüllt werden könnten. Das ist aus unserer Sicht natürlich viel zu wenig. Dennoch wäre es ein erster Schritt für afrikanische Staaten, beispielsweise klimafreundlichen Wasserstoff, Stahl oder andere Industrie- und Energiegüter in die EU zu liefern – Klimaschutz und industrielle Entwicklung zu optimierten Kosten könnten die Folge sein.


Bilder © UNIDO, CEET, FAWn